Hieronymus BOSCH oder die EVA an und für sich

bosch-a-8-buhlerin-2Kriege zerstören das Leben einer Frau tausendfach und das Leben tausender Frauen millionenfach.

Die Geschichte der bildenden Kunst präsentiert unzählige Werke, gewidmet dieser Botschaft. Die Sprache der Bildhauer, der Maler und Zeichner, ob figürlich oder abstrakt, kann die Gefühlstiefe der Verletzungen der Frau, der ihr angetanen Gewalt, der subtilen Herabsetzung und Abwertung durch die dominante Männergesellschaft weitaus wirksamer ausdrücken als das Wort des Schriftstellers.

Nehmen wir den niederländischen Maler Hieronymus Bosch. Das Triptychon „Die Versuchung des heiligen Antonius“ (Museo de Arte Antiga, Lissabon) zieht uns durch Feuer, Hexensabbat, fliegende Dämonen, Halluzinationen einer Traumwelt mitten ins Kriegsgeschehen hinein – und in jeder Szene die gemarterte, missbrauchte, auch selbst die Mittel der Verführung einsetzende Frau.

Die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, in der das Werk entstand, war geprägt von Kriegen, Hoffnungslosigkeit, innerkirchlichen Machtkämpfen. Für die den Schrecken der diesseitigen Welt ausgesetzten Menschen blieb die Phantasie oft der einzige Ausweg – nicht verwunderlich, dass Künstler wie Bosch ihnen Phantasiefiguren in den Altarbildern anboten – zur Verdeutlichung der Schrecken, aber auch als Zeichen der Hoffnung, des Trostes, eines vermeintlichen Auswegs. Der verkehrten, unmenschlichen Welt auf Erden für den „gemeinen Mann“ (und die „gemeine Frau“) stellt Bosch eine aufrüttelnde verkehrte Welt von dämonisierten Tieren, Naturereignissen, aus der Normalität gerissenen Alltagsgegenständen entgegen.

Die grotesken Figuren und Spukgestalten – und das ist das Eigentümliche an Boschs Antonius-Altar – bedrängen den Heiligen nicht unmittelbar körperlich, nicht quälend, sondern mehr spirituell, sinnlich-abstrakt.

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Sinnlich-konkret jedoch die Frauenfiguren: eine Buhlerin drängt sich im Mittelteil des Triptychons mit ihrem schlanken, gut gekleideten Körper an den Rücken des Heiligen, die Schöne, Nackte mit der Hand am Unterleib, im hohlen Baum (rechte Tafel) und die Hexen auf allen drei Tafeln, verführerisch und gleichzeitig Verführte, durch Spinnweben an den Teufel gebunden.

Mit dieser, wenn auch hauchdünn, subtil dargestellten Bindung der Frauenfiguren, dem Verlust ihrer Eigenständigkeit und Selbstbestimmung rückt die gesellschaftliche Realität in den Mittelpunkt der Ästhetik Boschs und seiner Zeitgenossen, ein zeitloses Thema.

Dieter Weigert, Berlin, Dezember 2018

Straße von Kertsch – oder Krone von Kertsch?

Kertsch – ein mystisches Wort für die Berichterstatter über internationale Politik – russische und ukrainische Marine im Konflikt. Für Berliner Kunstliebhaber jedoch seit zwei Monaten der Begriff für archäologische Schätze, vorgestellt im Neuen Museum.

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Völkerwanderungszeitlicher Goldschmuck vom Schwarzen Meer, silberne Gewandspangen und prächtige Gürtel aus Gräbern des frühen Mittelalters in Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland – Teile der Sammlung des Johannes von Diergardt werden nach über 80 Jahren wieder in Berlin zu sehen sein, wo sie bis 1934 ausgestellt waren. Sie gewähren glänzende Einblicke in die europäische Geschichte, besonders in die Ereignisse zwischen Antike und Mittelalter. Nach dem Tod des Sammlers und Mäzens gelangten sie in das Römisch-Germanische Museum Köln. Umbauarbeiten im Kölner Museum bieten nun eine gute Gelegenheit, die Schätze nach langer Zeit wieder der Berliner Öffentlichkeit zu präsentieren.

Eine Sonderpräsentation des Museums für Vor- und Frühgeschichte – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln.

 

Pierre de Colomb, le Baron de la Motte Fouqué, Charles Louis Gontard et le General de L’Estocq – dans l’église militaire en Berlin

Der „gesunde Menschenverstand“ sagt uns, dass Hugenottenfamilien in Brandenburg-Preußen für die Beisetzung ihrer Angehörigen sich Plätze auf ihren eigenen Friedhöfen auswählten – an der Liesenstaße, an der Chausseestraße. Dort finden wir die Gräber Fontanes, Chodowieckis, Ravenés, Ancillons und Devrients. Aber da gab es auch Ausnahmen – die Offiziere der Berliner Garnison hugenottischer Abstammung. Drei von Ihnen liegen auf dem alten Garnisonkirchhof an der Linienstraße begraben und die sterblichen Überreste eines Generals fanden sich – mumifiziert – in einer Gruft unter der l’église militaire, der Garnisonkirche an der Kreuzung Spandauer Straße und Neue Friedrichstraße. Die Gruft wurde samt der Kirche durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges zerstört, die Gräber der anderen drei sind erhalten, zwei davon mit ihren originalen Grabmonumenten des 19. Jahrhunderts.

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Da finden wir den Grabstein für Pierre de Colomb, geboren am 19. Juli 1775, gestorben am 12. November 1854. Er war hugenottischer Abstammung, verwandt mit der Mutter der Brüder Humboldt und ein Schwager Blüchers. Als Rittmeister und Kampfgefährte Lützows nahm er in den Jahren 1813/14 an den Napoleonischen Kriegen teil und zeichnete sich als Anführer einer Freischar aus. Er war zuletzt General der Kavallerie und ab 1841 Kommandant von Berlin. Sein Grab befindet sich im Feld VI des alten Friedhofs.

Nur wenige Schritte entfernt liegt eine Steinplatte, auf ihr die Daten eines Oberstleutnant mit französischem Familiennamen – GONTARD (1764 – 1839). Karl Ludwig werden als Vornamen verzeichnet, als militärische Funktion die eines „Platzmajors“. Jener Offizier, Ehrenbürger der Stadt Berlin, war der Sohn des großen königlichen Architekten Carl Philipp Christian von Gontard, des Schöpfers der Kuppelbauten neben den beiden Kirchen auf dem Gendarmenmarkt.

Der Ehrenbürgertitel wurde ihm verliehen, weil er aus Sicht der Stadtverwaltung in den Jahren der französischen Besatzung 1906-1809 umsichtig und diplomatisch die französisch-deutschen Konflikte auf ein Minimum reduzierte. Von seiner ursprünglichen Grabanlage ist leider nur ein Foto erhalten.

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Der Baron de la Motte Fouqué ist der bekannteste der auf jenem Friedhof beigesetzten Offiziere hugenottischer Abstammung. (1777 – 1843). Er entstammte einer adligen hugenottischen Emigrantenfamilie. Der Großvater war General unter Friedrich II. Fouqué war ab 1794 acht Jahre im aktiven Militärdienst.

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1813 meldete er sich für die freiwilligen Verbände gegen Napoleon. Ende 1813 quittierte er den Dienst aus gesundheitlichen Gründen. Zu seinem militärischen Freundeskreis zählten u.a. von Gneisenau, von Valentini und von dem Knesebeck.

Im Januar 1803 heiratete Fouqué Karoline Rochow, geborene von Briest. Wohnsitz war nun für etwa 30 Jahre Schloss Nennhausen. Fouqué arbeitete als Schriftsteller und Herausgeber. Nennhausen wurde Treffpunkt für einen literarischen Freundeskreis, gruppiert um Heinrich von Kleist. Von der Vielzahl romantischer Dichtungen ist das bis in die Gegenwart bekannteste Werk „Undine“. Dieses 1811 entstandene Kunstmärchen wurde von E.T.A. Hoffmann und A. Lortzing vertont. H.W. Henze erarbeitete daraus ein Ballett.

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Das Grab befindet sich im Feld III.

Bleibt noch der General, dessen mumifizierte Leiche in Uniform bis zum Zweiten Weltkrieg in einer Gruft der Berliner Garnisonkirche ruhte:

Anton Wilhelm von L’Estoq

Am Dienstag, d. 10. Januar 1815 meldeten die „Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“: „Am 5ten dieses, früh um ein Viertel auf 6 Uhr, endigte eine Lungen-Entzündung das thatenvolle Leben Sr. Exzellenz des Generals der Cavallerie, Ritters des Königl. großen schwarzen und des rothen Adler-, imgleichen des Verdienst-Ordens, auch des Russischen St. Alexander-Newsky und Stt. Georgen-Ordens zweiter Klasse, Domprobst zu Brandenburg etc. etc., Herrn Anton Wilhelm von L’Estocq, im 77sten Jahre seines Alters.“

Geboren 1738 in Celle als Sohn eines preußischen Offiziers hugenottischer Abstammung, trat L’Estocq 1757 als Fahnenjunker in das Berliner Regiment Gensd’armes ein und nahm im Siebenjährigen Krieg an den Schlachten von Zorndorf, Kunersdorf und Torgau teil. 1761 erhielt er für das Gefecht bei Langensalza den Orden Pour le mérite. Im Jahre 1768 wurde er Premierleutnant und in das Regiment des Husaren-Generals von Zieten versetzt, dessen Adjutant er wurde. In kürzester Zeit durchlief er die Stationen Stabsrittmeister, Major und Oberstleutnant, schließlich ernannte König Friedrich Wilhelm II. 1790 den Husarenoffizier L’Estocq zum Obersten und Bataillonskommandeur im Regiment von Eben (Husarenregiment Nr. 2).

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Im Feldzug gegen Frankreich 1793/94 nahm er an den Gefechten bei Kaiserslautern, Morsbrunn und Trippstadt teil und wurde 1794 Kommandeur des Husarenregiment Nr. 2. Nach dem Frieden von Basel (1795) war das Regiment Nr. 2 Bestandteil des Armeekorps in Westfalen, das die Demarkationslinie zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich überwachte.

1803 wurde der inzwischen zum Generalmajor avancierte L’Estocq im nach der dritten polnischen Teilung gewonnenen Neu Ostpreußen eingesetzt und zum Chef des Husarenregiments Nr. 9 sowie zum Oberkommandierenden aller in diesem Gebiet stationierten preußischen Truppen ernannt.

1805 erreichte er den Rang eines Generalleutnants, den Feldzug 1806/07 erlebte er in der Schlacht bei Preußisch-Eylau, dort konnte er mit dem Schwarzen Adler Orden ausgezeichnet werden.

L’Estocq war einer der wenigen Generale, die ihren Rang nach dem Zusammenbruch der alten preußischen Armee behalten durften. 1807 belohnte ihn der König darüberhinaus mit der Domprobstei von Brandenburg/Havel und ernannte ihn zum Mitglied der Immediatkommission zur Untersuchung der Kapitulationen und sonstiger Ereignisse des letzten Krieges.

Einen der Höhepunkte der militärischen Karriere des Generals von L’Estocq bildete die Berufung zum Gouverneur der Residenz Berlin am 12.11. 1808. Im Jahre 1815 starb L’Estocq in Berlin und wurde am Sonntag, d. 8. Januar in den Grüften der Garnisonkirche mit feierlichen Ehren bei Anwesenheit der königlichen Prinzen und der Berliner Generalität beigesetzt.

 

 

Wer fromm ist muss auch politisch sein

guten morgen gefährten in der Ferne und gedanklichen Nähe – mein blog zu meister eckhart könnte ich euch empfehlen -vielleicht sogar zu kommentieren – dieter weigert aus berlin

Procellas

„Wer fromm ist muß auch politisch sein.
Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch wurde, und weil Gott sich von nun an allein in dieser Armut, im Kreuz, finden lassen will, darum kommen wir von dem Menschen und von der Welt nicht los, darum lieben wir die Brüder.“

Dietrich Bonhoeffer

So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen.

  • Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete.
  • Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten.
  • Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer…

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Petra Gerster Nummer 2 …

 

ist notwendig geworden nach dem Genuss jener mittelalterlichen Glasmalereien im Chor der Marienkirche von Frankfurt an der Oder. Das 14. Jahrhundert präsentiert ein Bildprogramm für die des Lesens Unkundigen – Altes Testament, Neues Testament und die Geschichte des Antichrist. In den letzten Wochen sensibilisiert durch evangelische Texte suchte ich besonders jene Teile der hohen Fenster, in denen ich die Gestalt der Maria Magdalena vermutete – und wurde gründlich enttäuscht: die Vorgängerinnen und Vorgänger unserer ZDF-Meinungsmacher um Petra Gerster im Mittelalter hatten ganze Arbeit geleistet, an den entscheidenden Stellen findet sich kein Hinweis auf die bedeutende Rolle, die Frauen wie Maria Magdalena in den urchristlichen Gemeinden und besonders am Tage der Hinrichtung Jesu und am Ostersonntag, dem Tag seiner Auferstehung gespielt hatten.

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Zum Exempel Szene 1: die Kreuzigung am Karfreitag, mittleres Chorfenster, 8. Reihe von unten, mittleres Feld.

Im Johannesevangelium werden genannt (Joh. 19, 25-27): „Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala…“ Welch Wunder: das Bild im Fenster zeigt aber nur Maria, die Mutter und Johannes, den Jünger. Ein Erfolg der offiziellen Meinungsmacher!

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Zum Exemple Szene 2: die Auferstehung am Ostermorgen, mittleres Chorfenster, 10. Reihe von unten, mittleres Feld. Was sehen wir: einen vorwärtsschreitenden Jesus mit einer Fahne in der Hand, ein Engel neben ihm, zwei schlafende Wächter zu seinen Füßen. Keine Maria Magdalena oder die andere Maria, von denen die Evangelien berichten (u.a. Matthäus 28, 1-7): „Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg, und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann   geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“

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Und das dritte Beispiel – die Himmelfahrt Jesu: mittleres Chorfenster, 11. Reihe von unten, mittleres Feld. Auf dem Bild sehen wir die Köpfe von acht männlichen Jüngern, gruppiert um die Fußspuren des zum Himmel schwebenden Jesus. Was sagt aber der Text? (Apostelgeschichte 1, 6-12): „Beim gemeinsamen Mahl gebot er Ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt … Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird … Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken … dann kehrten sie vom Ölberg … nach Jerusalem zurück … Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“ Es ist unwahrscheinlich, dass die erwähnten Frauen den entscheidenden Augenblick, das Aufsteigen in den Himmel, nicht miterlebt haben sollen, wie es in den späteren Bilderzählungen der offiziellen (männlichen) Meinungsmachern zurechtgebogen wurde.

Das also ging mir durch den Kopf, als ich von Frankfurt zurückfuhr – diesen Besuch könnte ich der verehrten Petra Gerster eindringlich empfehlen.

Dieter Weigert, Berlin

Der Hotdog und Feminismus

Es scheint nötig, lieber Mitstreiter, mal nach New York zu fliegen und einen rrrichtig echten HOTDOG zu genießen – der Unterschied zum IKEA-Fake ist wie für Berliner zwischen CURRYWURST bei Konnopke und dem Rest der Welt (incl. Duisburger Kommissars-Kopie). Aber dennoch- Frau bleibt Frau !!!

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Zwischen obiger Photographie und diesem einleitenden Satz liegen drei Bissen, die den Umfang des Hotdogs geschmälert haben. Ich bin nicht ganz sicher, ob Hotdogs so schmecken müssen wie dieser von „Backwerk“, da ich eigentlich nur die „Ikea“-Hotdogs und selbstgemachte kenne sowie eine später zu erwähnende Variante. Schon dieser Käse ist mir supekt, doch gilt auch beim Hotdog:

Jedes Gericht kann durch ein Überbacken mit Käse verfeinert werden, selbst ein Käseauflauf sollte zur Sicherheit noch einmal mit Käse überbacken werden.

Backwerk ist – für diejenigen, die das Unternehmen nicht kennen – eine Art Bäckerei, was ein „echter“ Bäcker sicherlich anders sieht und vermutlich mit Recht. Backwerk ist der erste deutsche SB-Bäcker gewesen, eröffnete 2001 seine erste Filiale in – tja, was soll ich sagen – in Düsseldorf. Inzwischen jedoch schicken sich Schweizer an, das Unternehmen zu übernehmen, das für Mega-Ketten wie „McDonald’s“ zunehmend zum Problem und ernsthafter Konkurrent wird, auch wenn…

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Hätten Sie doch geschwiegen, verehrte Petra Gerster …

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dann würde ich in weiterhin mit Unbehagen, aber doch ohne öffentlichen Protest den zwangsweisen Einzug der Gebühren für das ZDF erdulden, auch wenn ich vieles an der tendenziellen Berichterstattung, an den Kommentaren und an den Features kaum ertrage.
Aber Ihr jüngster Beitrag zum heiligen Paulus, einer Ikone von Millionen Christen, lässt alles vermissen, was Ihnen vermutlich vor Jahrzehnten ehrliche Journalisten als Standardtugenden des Berufsstandes vorgelebt und gepredigt haben: Objektivität, Achtung vor der Meinung des Opponenten, tiefgründiges Studium historischer Fakten und Dokumente insbesondere bei Fragen der Religion, der Weltanschauung und der Ethik.

Jene 45 Minuten kostbarer Sendezeit waren nicht nur journalistisch eine Zumutung, mehr eine Tourismus-Werbung für den Nahen Osten, Malta, Griechenland und Rom als eine Sendung zur Vertiefung unserer religionsgeschichtlichen Kenntnisse – sie waren eine Beleidigung für jene Menschen (Frauen, Mädchen und Männer) christlichen Glaubens, die seit Jahrzehnten mutig versuchen (ohne Ihr Gerstersches familiäres, finanzielles und parteipolitisches CDU-Hinterland), die historische Rolle von Frauen in der urchristlichen Bewegung ihren Kindern, Schülerinnen und Schülern, Freundinnen und Freunden und auch einer breiten interessierten Öffentlichkeit lebhaft und verständlich zu schildern. Die historische Figur des Saulus/Paulus steht bei diesem Bemühen immer mehr in der Kritik, vor allem seine in den Texten nachweisbaren Anstrengungen, aktive Frauen wie u.a. Maria Magdalena aus den Geschehnissen um die Hinrichtung und die Auferstehung Jesu für die urchristlichen Gemeinden und auch für die Nachwelt hinauszudrängen und sich in die Position des alleinigen Führers der geistigen und politischen Bewegung im Erbe Jesu zu bringen. An dieser Stelle begann der bis heute anhaltende scharfe Kampf – unter entscheidender Teilnahme des römischen Bürgers und Juden Paulus – um die Durchsetzung des Patriarchats innerhalb der christlichen Gemeinden, um das Hinausdrängen von Frauen aus Führungspositionen und um das „Redigieren“ von Texten. Für jene Maria aus Magdala war Paulus ein Opponent, kein Verbündeter in ihrem Ringen um die Gleichstellung der Frauen in der christlichen Bewegung. Bei Petra Gerster hört sich das anders an: Wenn es auch gegenteilige Texte in den Briefen des Paulus gibt, war er doch kein aktiver Verfechter des Patriarchats, die bis heute gültige frauenfeindliche Doktrin der katholischen Kirche sei durch den Klerus erst Jahrhunderte später durchgesetzt worden, man könne sie nicht auf Paulus zurückführen. Frau Gerster – welche Geschichtsverdrehung für eine Redakteurin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen! (So etwa würde man bei anderen mit der Keule des „Staatsfernsehens“ erledigen).  Petra Gerster verrät ihren Konservatismus auch dadurch, dass sie den Namen der Maria aus Magdala in jenen 45 Minuten kein einziges Mal erwähnt, geschweige denn sich mit ihrer historischen Rolle im Detail auseinandersetzt.

Vielleicht erleben wir ein Wunder – Frau Gerster wird zur Persönlichkeit der Maria Magdalena ernsthaft recherchieren und ihren Einfluss im ZDF nutzen, um eine moderne Sendung zu diesem Thema zu produzieren, die dann unseren ungeteilten Beifall finden kann.

Dr. Dieter Weigert, Berlin

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