Hätten Sie doch geschwiegen, verehrte Petra Gerster …

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dann würde ich in weiterhin mit Unbehagen, aber doch ohne öffentlichen Protest den zwangsweisen Einzug der Gebühren für das ZDF erdulden, auch wenn ich vieles an der tendenziellen Berichterstattung, an den Kommentaren und an den Features kaum ertrage.
Aber Ihr jüngster Beitrag zum heiligen Paulus, einer Ikone von Millionen Christen, lässt alles vermissen, was Ihnen vermutlich vor Jahrzehnten ehrliche Journalisten als Standardtugenden des Berufsstandes vorgelebt und gepredigt haben: Objektivität, Achtung vor der Meinung des Opponenten, tiefgründiges Studium historischer Fakten und Dokumente insbesondere bei Fragen der Religion, der Weltanschauung und der Ethik.

Jene 45 Minuten kostbarer Sendezeit waren nicht nur journalistisch eine Zumutung, mehr eine Tourismus-Werbung für den Nahen Osten, Malta, Griechenland und Rom als eine Sendung zur Vertiefung unserer religionsgeschichtlichen Kenntnisse – sie waren eine Beleidigung für jene Menschen (Frauen, Mädchen und Männer) christlichen Glaubens, die seit Jahrzehnten mutig versuchen (ohne Ihr Gerstersches familiäres, finanzielles und parteipolitisches CDU-Hinterland), die historische Rolle von Frauen in der urchristlichen Bewegung ihren Kindern, Schülerinnen und Schülern, Freundinnen und Freunden und auch einer breiten interessierten Öffentlichkeit lebhaft und verständlich zu schildern. Die historische Figur des Saulus/Paulus steht bei diesem Bemühen immer mehr in der Kritik, vor allem seine in den Texten nachweisbaren Anstrengungen, aktive Frauen wie u.a. Maria Magdalena aus den Geschehnissen um die Hinrichtung und die Auferstehung Jesu für die urchristlichen Gemeinden und auch für die Nachwelt hinauszudrängen und sich in die Position des alleinigen Führers der geistigen und politischen Bewegung im Erbe Jesu zu bringen. An dieser Stelle begann der bis heute anhaltende scharfe Kampf – unter entscheidender Teilnahme des römischen Bürgers und Juden Paulus – um die Durchsetzung des Patriarchats innerhalb der christlichen Gemeinden, um das Hinausdrängen von Frauen aus Führungspositionen und um das „Redigieren“ von Texten. Für jene Maria aus Magdala war Paulus ein Opponent, kein Verbündeter in ihrem Ringen um die Gleichstellung der Frauen in der christlichen Bewegung. Bei Petra Gerster hört sich das anders an: Wenn es auch gegenteilige Texte in den Briefen des Paulus gibt, war er doch kein aktiver Verfechter des Patriarchats, die bis heute gültige frauenfeindliche Doktrin der katholischen Kirche sei durch den Klerus erst Jahrhunderte später durchgesetzt worden, man könne sie nicht auf Paulus zurückführen. Frau Gerster – welche Geschichtsverdrehung für eine Redakteurin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen! (So etwa würde man bei anderen mit der Keule des „Staatsfernsehens“ erledigen).  Petra Gerster verrät ihren Konservatismus auch dadurch, dass sie den Namen der Maria aus Magdala in jenen 45 Minuten kein einziges Mal erwähnt, geschweige denn sich mit ihrer historischen Rolle im Detail auseinandersetzt.

Vielleicht erleben wir ein Wunder – Frau Gerster wird zur Persönlichkeit der Maria Magdalena ernsthaft recherchieren und ihren Einfluss im ZDF nutzen, um eine moderne Sendung zu diesem Thema zu produzieren, die dann unseren ungeteilten Beifall finden kann.

Dr. Dieter Weigert, Berlin

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Autor: lliensternberlin

Dr. phil. (echt Philosophie und auch noch habil. in Politologie), inzwischen Pensionär - aktiv in Denkmalschutz und Denkmalpflege, besonders Kirchen und historische Friedhöfe in Berlin an Wochenenden - unter der Woche in unregelmäßigen Abständen engagiert in Lehrerfortbildung (Geschichte, Architektur, Literatur und Theater.Bildende Kunst)

4 Kommentare zu „Hätten Sie doch geschwiegen, verehrte Petra Gerster …“

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