Petra Gerster Nummer 2 …

 

ist notwendig geworden nach dem Genuss jener mittelalterlichen Glasmalereien im Chor der Marienkirche von Frankfurt an der Oder. Das 14. Jahrhundert präsentiert ein Bildprogramm für die des Lesens Unkundigen – Altes Testament, Neues Testament und die Geschichte des Antichrist. In den letzten Wochen sensibilisiert durch evangelische Texte suchte ich besonders jene Teile der hohen Fenster, in denen ich die Gestalt der Maria Magdalena vermutete – und wurde gründlich enttäuscht: die Vorgängerinnen und Vorgänger unserer ZDF-Meinungsmacher um Petra Gerster im Mittelalter hatten ganze Arbeit geleistet, an den entscheidenden Stellen findet sich kein Hinweis auf die bedeutende Rolle, die Frauen wie Maria Magdalena in den urchristlichen Gemeinden und besonders am Tage der Hinrichtung Jesu und am Ostersonntag, dem Tag seiner Auferstehung gespielt hatten.

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Zum Exempel Szene 1: die Kreuzigung am Karfreitag, mittleres Chorfenster, 8. Reihe von unten, mittleres Feld.

Im Johannesevangelium werden genannt (Joh. 19, 25-27): „Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala…“ Welch Wunder: das Bild im Fenster zeigt aber nur Maria, die Mutter und Johannes, den Jünger. Ein Erfolg der offiziellen Meinungsmacher!

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Zum Exemple Szene 2: die Auferstehung am Ostermorgen, mittleres Chorfenster, 10. Reihe von unten, mittleres Feld. Was sehen wir: einen vorwärtsschreitenden Jesus mit einer Fahne in der Hand, ein Engel neben ihm, zwei schlafende Wächter zu seinen Füßen. Keine Maria Magdalena oder die andere Maria, von denen die Evangelien berichten (u.a. Matthäus 28, 1-7): „Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg, und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann   geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“

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Und das dritte Beispiel – die Himmelfahrt Jesu: mittleres Chorfenster, 11. Reihe von unten, mittleres Feld. Auf dem Bild sehen wir die Köpfe von acht männlichen Jüngern, gruppiert um die Fußspuren des zum Himmel schwebenden Jesus. Was sagt aber der Text? (Apostelgeschichte 1, 6-12): „Beim gemeinsamen Mahl gebot er Ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt … Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird … Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken … dann kehrten sie vom Ölberg … nach Jerusalem zurück … Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“ Es ist unwahrscheinlich, dass die erwähnten Frauen den entscheidenden Augenblick, das Aufsteigen in den Himmel, nicht miterlebt haben sollen, wie es in den späteren Bilderzählungen der offiziellen (männlichen) Meinungsmachern zurechtgebogen wurde.

Das also ging mir durch den Kopf, als ich von Frankfurt zurückfuhr – diesen Besuch könnte ich der verehrten Petra Gerster eindringlich empfehlen.

Dieter Weigert, Berlin

Autor: lliensternberlin

Dr. phil. (echt Philosophie und auch noch habil. in Politologie), inzwischen Pensionär - aktiv in Denkmalschutz und Denkmalpflege, besonders Kirchen und historische Friedhöfe in Berlin an Wochenenden - unter der Woche in unregelmäßigen Abständen engagiert in Lehrerfortbildung (Geschichte, Architektur, Literatur und Theater.Bildende Kunst)

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