Herr Tchoban, Hans Poelzig, Karl Friedrich Schinkel – ein unheiliges Dreieck

schinkelkirche

Die Berliner Tchoban-Foundation eröffnete letzte Woche im pikfeinen Museum an der Christinenstraße (Prenzlauer Berg) eine Ausstellung – mit Zeichnungen von Hans Poelzig. Bewundernswert und verdienstvoll. Herr Tchoban war selbst zur Vernissage nicht anwesend, der Raum im Erdgeschoss war dennoch gepackt.

Aber es lag etwas Unwirkliches über der Szene – für diejenigen Besucher spürbar, die das aktuelle praktische Agieren des Herrn Tchoban in Berlin kennen. Nein, nein, er tut nichts Illegales, er und seine Kollegen kennen die Gesetze, sie wissen um die Möglichkeiten, den weiten Rahmen der Bauvorschriften und Beschlüsse der Verwaltungen juristisch sauber so auszuschöpfen, dass größtmögliche Profite herausspringen.

Was jedoch manchen in den Ausstellungsräumen als Frage in den Gesichtern geschrieben stand – was ist mit jener Sensibiliät, die Architekten wie Hans Poelzig auszeichnete, wo ist bei allem Drang zum Neuen, um Noch-Nicht-Dagewesenen des zeitgenössischen Architekten die Achtung vor der Kreativität der Väter? Was bewegt Herrn Tchoban, wenn er Poelzigs Blätter mit Ehrfurcht betrachtet und gleichzeitig mitverantwortlich ist für den Fast-Einsturz der Friedrichswerderschen Kirche, eines der großen Denkmale der Schinkelschen Architektur? War es Fahrlässigkeit, war es Unachtsamkeit, war es Unkenntnis, die jene Gruppe von Architekten um Sergei Tchoban dazu bewog, die Warnungen der Fachleute in den Wind zu schlagen? Arroganz der Macht nennt man derartige  Verhaltensweisen in der Politik, oder beim Militär, wo Menschenleben im Spiel sind: Wo gehobelt wird, fallen Späne! Beruhigen wir uns, wird gesagt, hier geht es doch nicht um Leben oder Tod, hier steht ja „nur“ das Schicksal eines Bauwerkes auf dem Spiel. Welch ein Zynismus! Was ist das für ein armes Leben, dem wir Schinkels Kirchen opfern.

Deshalb meine ich: das Dreieck Tchoban – Poelzig – Schinkel ist unheilig. Es wäre der Sache angemessen, wenn die Besucher der Ausstellungsräume am Pfefferberg im Prenzlauer Berg eine Erklärung von Herrn Tchoban in dieser Angelegenheit finden könnten.

Dr. Dieter Weigert, Berlin, Oktober 2018

Autor: lliensternberlin

Dr. phil. (echt Philosophie und auch noch habil. in Politologie), inzwischen Pensionär - aktiv in Denkmalschutz und Denkmalpflege, besonders Kirchen und historische Friedhöfe in Berlin an Wochenenden - unter der Woche in unregelmäßigen Abständen engagiert in Lehrerfortbildung (Geschichte, Architektur, Literatur und Theater.Bildende Kunst)

4 Kommentare zu „Herr Tchoban, Hans Poelzig, Karl Friedrich Schinkel – ein unheiliges Dreieck“

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