Preußisch Blau und Lutherisch Schwarz – oder: Leutnant von Kleist und Generalsuperintendent Löffler Folge 11

Ein Traum wird wahr – der große König beordert Josias Löffler nach Frankfurt an der Oder, setzt ihn als Pfarrer an die lutherische Oberkirche St. Marien ein und besetzt mit ihm die durch den Tod des Professors Simonetti entstandene Vakanz an der Theologischen Fakultät der Viadrina.

-Wir schreiben das Jahr 1782. Suchen wir also in dem Konvolut nach Papieren und Dokumenten, die mit diesem Ereignis in Beziehung stehen, liebe Edda!
-Bester Chef, da wäre jener bedeutsame Satz, der uns in den Erinnerungen des Josias an das Ende seines militärischen Einsatzes in Schlesien und Böhmen 1779 schon einmal begegnet war: „Und nun kehrte bey ihm der Wunsch zurück, Lehrer der Wissenschaften, wenn möglich auch einer Universität zu seyn.“ Ich bemühe mich, weitere Belege zur Untermauerung dieses Wunsches oder Traumes zu finden und vielleicht auch manches zu finden, was zur Erleuchtung des Weges dienen kann, der ihn schließlich nach dreijähriger Wartezeit nach an die Oder-Universität führte. – Edda zog sich in eine stille Ecke zurück und wühlte sich schweigsam durch die sorgsam geordneten Stöße von Papier.

Der Blick aus dem Fenster zeigt – der Winter will nicht weichen. Trostlosigkeit und Trauer erfassen mich beim Blick aus dem Fenster, der graue See liegt erstarrt, die größeren Jungs spielen Eishockey, einige Anfänger üben sich im Langlauf. Es wird Zeit für mich in die Berge abzuhauen.

Aber: Ich mache mich an die Papiere, die Josias Löfflers Aufenthalt in Frankfurt an der Oder betreffen und die mir Edda vorgelegt hatte. Da ist ein historischer Stich: Wuchtig tritt sie uns entgegen, die Oberkirche, die Hauptkirche der Gemeinde der Lutheraner in der Odermetropole. Sie scheint uns den Weg zu versperren zu den Gebäuden der Universität, der VIADRINA.

St. Marien und der Nonnenwinkel in Frankfurt an der Oder

Nicht nur visuell, sondern materiell-praktisch symbolisierte dieses gewaltige gotische Bauwerk in den Jahrhunderten seit der Gründung der Oder-Universität die Einheit von Religion und Wissenschaft – auch in den Biographien der Universitätslehrer!

St. Marien ist nicht nur administrativ und theologisch die „obere Kirche“, sie steht auch auf einem Hügel und beeindruckt daher auch topographisch die LOandvhaft, die Stadt. Unter ihr liegt der Markt, daran anschließend das Rathaus, auf der anderen Seite die Gebäude der Universität und in einiger Entfernung die Kasernen des Militärs. Auf diesen Hügel stellt der preußische König Friedrich II. den Thüringer Theologen, in Halle an der Saale und Berlin ausgebildet und gerüstet für die politischen Auseinandersetzungen mit den Konservativen, gestählt im Krieg gegen die Habsburger, durch die verbündeten Verleger mit den wissenschaftlichen Lorbeerkränzen gekrönt – den Vorbedingungen für Professur und klerikaler Machtposition, mit dem Begriff Generalsuperintendent umschrieben.

Ein Renaissance-Gemälde aus Frankfurt an der Oder präsentiert uns die Einheit von Klerus, Wissenschaft, Bürgermacht – im 16. Jahrhundert, in den Strukturen aber auch für das Verständnis der Jahre brauchbar, in denen Josias Löffler in der Oderstadt wirkte:

Michel Ribestein, Epitaph für Hans Schreck und seine Gattin, 1555

Dass des Königs Minister von Zedlitz im Frühjahr 1782 den Theologen Löffler aus Berlin auf den Theologie-Lehrstuhl der VIADRINA, der Oder-Universität, als Nachfolger des im Januar 1782 verstorbenen Christian Ernst Simonetti beruft, bedeutet für den nunmehr 30jährigen Josias Friedrich Christian Löffler einen bedeutenden akademischen und sozialen Aufstieg.

Einer der Vorgänger Josias Löfflers als Lehrstuhlinhaber an der Oder-Universität, Friedrich Ebert, Professor für Hebräisch, um 1670/1680

Die chronologisch erste Urkunde, die Auskunft gibt über die Gunst des Königs:

Seite 1

Seite 2

Seite 3 – mit amtlichem Siegel

Meine (nicht-amtliche) Transkription:

Wir Friderich von Gottes Gnaden, König von Preußen u.s.f. Thun Kund und fügen hiermit zu wißen, daß Wir an des verstorbenen Simonetti Stelle, den bisherigen Feld-Prediger Unseres Regiments Gensd’armes Johann Christ Löffler, in Betracht seiner Uns angerühmten Geschicklichkeit, zum Professore Theologiae extraordinario bey Unsrer Universitaet zu Frankfurth an der Oder, allergnädigst bestallet und angenommen haben.

Wir thun solches auch hiermit und in Kundt dieses dergestalt und also daß Uns und Unserem Königlichen Hause denselben threu, gehorsam und gewärtig seyn, Unseren Nutzen und Bestes nach äußerstem Vermögen suchen und befördern, Schaden und Nachtheil aber, so viel an ihm ist, verhüten, … und abwenden helfen; das Amt eines Professoris Theologiae extraordinarü bey gedachter Unserer Universitaet im Lesen, Lehren, Disputiren und Praesidieren mit äußerster Application zu verwalten, der studierenden Jugend jederzeit mit gutem Exempel vorgehen, und die Stipendiaten treulich unterweisen, über Unsere bereits gemachten oder noch zu machende Reglements und Verordnungen gebührend halten und an sich nichts … lassen solle, damit die Universitaet immer mehr in … und Aufnahme gebracht und berühmt werden möge; Was Wir ihm sonst commitiren und befehlen, das soll er willig und getreu ausrichten, in Summa alles dasjenige thun und leisten, was einen getreuen Königlichen Diener und rechtschaffenen Professori, seinen abzulegenden Eidespflichten nach, zu thun oblieget und gebühret.

Dahingegen und für seine Dienste soll er, der Professor Löffler, sich nicht allein allen, denen übrigen Professoribus zukommenden Privilegien, Rechte und Prerogativen ebenmäßig zu erfreuen und, nach Verlauf des denen Simonetti ihre Erben zustehenden Neben-Jahres, der damit verknüpften Besoldung von Zweyhundert Reichsthalern zu erheben haben, sondern Wir wollen ihn auch bey sich … Gelegenheit … Merkmale Unserer Königlichen Huld verspüren laßen…

Berlin Zedlitz, Chef Unseres Christlichen Departements, 27ten April 1782

Das Studium des förmlichen Schreibens führt uns nicht sehr weit, es sagt nicht viel aus über die Qualifikation des jungen Josia Löffler für beide Positionen – die an der Kirche und die an de Viadrina. Aber gleich darunter findet sich ein Druck, starkes Papier, fast schon braun verfärbt vermutlich durch das ständige Sonnenlicht, dem es vermutlich ausgesetzt war. Auf der Rückseite eine Notiz in blauer Tinte „Rauch, 1533“, vermutlich von Josias Löffler:

Professor Josias Löffler bekennt sich zu den Renaissance-Tugenden, ohne jedoch in die Luthersche Orthodoxie zu verfallen. Damit erfüllt er die Ewartungen seines Königs, des Ministers von Zedlitz, der Frankfurter Studenten und der Gemeinde von St. Marien. In seinen Erinnerungen beschreibt Josias aber auch, mit welchen Widerständen und Intrigen er an der Viadrina zu kämpfen hatte (Zum Verständnis der politischen und wissenschafts-geschichtlichen Situation im damaligen Frankrut sollten wir einen längeren Abschnitt zu unsererm Bericht zitieren – meint mit meiner Billigung die kluge Edda) :

Kleine Schriften, Bd. 1, XII
XIII
XIV

In Ergänzung zu den umfangreichen Tätigkeiten, die Josias Löffler als Prediger an St. Marien, als Theologie-Professor an der Viadrina, als Oberaufseher des Frankfurter Bildungswesens zu erledigen hatte, wären seine Kontakte zu den Offizieren des königl.preuß. Infanterie-Regiments Nr. 24 eine Beschreibung wert – rät Edda.

Welch‘ freudige Überraschung, wird der aus dem aktiven Dienst entlassene Feldprediger Josias Löffler bei seinem Arbeisbeginn Frankfurt empfunden haben, als er den Antrittsbesuch beim Chef des in der Garnisonstadt an der Oder stationirten kgl-pr. Infanterie-Regiments Nr. 24 absolviert und dem „alten Bekannten“ aus dem „Kartoffelkrieg“ gegenübersteht: Prinz Leopold von Braunschweig, seit Januar 1776 in dieser Position als Oberst und später Generalmajor. Das Regiment ist der ruhmreichen Friderizianischen Tradition aus den Schlesische Feldzügen und dem Siebenjährigen Krieg verpflichtet, sein Kommandant war der vor Prag 1757 gefallene Feldmarschall Graf von Schwerin, dessen Porträt (Maler: Christian Bernard Rode) in der Berliner Garnisonkirche 1761 in Öl als Teil einer Gruppe von vier „Gedächtnisbildern“ präsentiert wurde, mit der Zerstörung der Kirche durch Bomben im Zweiten Weltkrieg verbrannte.

Christian Bernard Rode, Feldmarschall Schwerin wird sterbend von der Siegesgöttin bekränzt, Radierung um 1765

Den gesellschaftlichen Umgang mit hohen und höchsten Offizieren der königlich-preußischen Armee ist Josias Löffler nicht erst seit dem Feldzug von 1778/79 gewohnt, in Berlin war er im privaten Kontakt zum Kavallerie-Generaol von Prittwitz und anderen Militärs; hier aber ist sein Gegenüber ein Erbprinz, ein möglicher künftiger Herzog aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg, Ritter des Johanniter-Ordens, schon mit 20 Jahren Oberstleutnant in der Armee seines herzoglichen Vaters, und – wie schon erwähnt – ab 1776 in Diensten seiner preußischen Majestät – während seine Schwester Amalia dem herzoglichen Hof von Weimar standesgemäß anvermählt wurde, jene Amalia, die zur Förderung des Schriftstellers Goethe maßgeblich beitrug.

Sie sind gleichaltrig, der Theologe aus Thüringen und der Welfen-Prinz aus Braunschweig-Lüneburg, Neffe des preußischen Königs Friedrich II.
Sie verkörpern nicht nur die gleiche Generation, sie vertreten auch – trotz ihres Standesunterschieds – die gleichen Ideale und Werte der Aufklärung: der Zögling des großen Lessing, der ihn auf seinen Wunsch auf einer mehrmonatigen Italienreise begleitete, und Professor Josias Löffler, der Schüler Semlers und Nösselts. Sie sind auch im wirklichen Leben Nachbarn – Prinz Leopold residiert im sogenannten Kommandantenhaus hinter der Marienkirche, Löfflers Wohnung befindet sich, da er gleichzeitig Pfarrer an jener Marienkirche ist, im angeschlossenen Gemeindehaus.

Johann Friedrich Nagel, Blick auf Frankfurt vom Ostufer der Oder, um 1788. Links im Hintergrund St. Marien, davor am Ufer die Kasernen des IR 24


In jenem Kommandantenhaus oder auch im Salon des Generalsuperintendenten im Gemeinde-Gebäude neben der Kirche finden auf Einladung des jeweiligen Hausherrn abendliche Lesungen, Konzerte, Vorträge von Universitätsprofessoren statt. Für die Offiziere des Leopoldschen Regiments hat dieser Winkel noch eine dritte nachbarliche Bedeutung – hier wohnt ihr Kamerad, der Major von Kleist, Bataillonskommandeur, dessen 1777 geborener Sohn Heinrich seine familiär ebenfalls vorbestimmte militärische Laufbahn in einigen Jahren einschlagen wird.

Noch liegt der bunte Rock des Königs für Heinrich von Kleist in einiger Ferne, noch sind der Welfen-Prinz und der Theologie-Professor und Oberpfarrer der Marienkirche seine nachahmenswerte Idole in den Nachbarhäusern.

An diesem Punkt meiner Beschäftigung mit dem Papierbündel hatte ich einige Tage aus dienstlichen Gründen eine Pause. Edda war beauftragt, niemanden einsicht in unsere Papiere zu gewähren.
Auf mich wartete außerhalb monotoner Bürokram, die Übernahme des Privatarchivs eines Wissenschaftlers aus Jena, Einstellungsgespräche mit Kandidaten für unsere Einrichtung. Mit jedem Tag der Abwesenheit von meinem Schreibtisch wuchs meine Sehnsucht nach jenen alten Schriften. Am Vorabend meiner Rückkehr zu Löffler und Kleist hatte ich einen absonderlichen Traum – bei einem Gang durch die Zimmer des Archivs spürte ich ungewohnte Bewegung und Geräusche, aus einer entlegenen Ecke des Archivs wanderten Bücher auf angeklebten Füßen in meine Richtung, versammelten sich zu meinen Füßen und bewegten sich mit mir zu meinem Schreibtisch.

Angeführt wurde der wüste Haufen von einem einigermaßen gut erhaltenen braun eingebundenen Buch im Quart-Format, unlesbar, verschmiert der Titel, herausgefallene Zettel vermerken Ideen -Anregungen für künftige Werke des Dichters Kleist aus der sinnlichen Wahrnehmung der Chorbilder von St. Marien: der Weltenrichter und der Dorfrichter Adam im Zerbrochenen Krug, der Antichrist, das Jüngste Gericht und vor Gott dem Richter steht nackt und bloß der Kleistsche sündige Dorfrichter Adam und signalisiert die Ankunft des Antichristen !

Erschreckt und verschwitzt versuche ich dem Traum zu entkommen. Wie ruhig und ausgeglichen waren doch die Tage mit Edda, vergleichbar mit jenen Jahren des Predigers Josias in Berlin im Vergleich zu jenen Tagen, Wochen, Monaten des kämpferischen Aufenthalts in Frankfurt.

Als wir – Edda und ich – wieder in trauter Gemeinsamkeit zusammen im Dachstübchen arbeiten, versuchen wir ein erstes Resumé der Anfangsjahre des Pedigers Löffler an der Oder:
Es ist bezeichnend für den Geist der Zeit, dass in den amtlichen Dokumenten und Bestallungsurkunden stets auf die bisherige Position Löfflers als Feldprediger im ruhmreichen Kavallerieregiment Gensd‘armes und weniger auf seine akademischen Verdienste verwiesen wird. Für den König, seinen Minister von Zedlitz und dessen zuständigen Staatssekretär Biester wird die wissenschaftliche Qualifikation vorausgesetzt, sie haben seine Aktivitäten auch nach der Rückkehr aus dem Feldzug 1779 nicht aus den Augen verloren.

Insbesondere Biester und sein Freundeskreis hatten sich – die harten Anforderungen der Oder-Universität und die Widerstände in den kirchlichen Kreisen des Bistums und der Stadt vor Augen – des jungen Wissenschaftlers in Uniform angenommen, hatten ihn in seinem Bestreben bestärkt, den literarischen Stoff, den er während des Feldzuges so sehr vermisste, nachzuarbeiten, hatten ihm wichtige Kontakte zu den führenden Köpfen der Berliner intellektuellen Elite an der Akademie der Wissenschaften, in kirchlichen Kreisen, der Verleger, Geschäftsleute und Schriftsteller vermittelt. Sie verstanden, wenn ihnen der junge Löffler in den Ohren lag mit den Träumen vom Lehrerberuf, von den Wünschen der Disputationen mit jungen Leuten, mit Schülern und Studenten. Schmerzlich wird ihnen bewusst, wie nötig die Residenz Berlin eine Universität braucht, wie anachronistisch die fürstliche Abneigung gegen die Unruhe ist, die Studenten und junge Wissenschaftler in die Mentalität des Beamtenstandes bringen könnten.
Nun also die VIADRINA, neben der Halleschen Fridericiana die zentrale Nachwuchsschmiede für Juristen und Theologen des preußischen Königreiches.  Nun also dem Traum von Bildung und Erziehung einen Riesenschritt näher. König, Minister und der unermüdliche Biester lassen Josias Löffler genügend Zeit für die Einarbeitung in die schwierigen Aufgaben. Die Professur an der Viadrina ist unmittelbar nach dem Tod von Simonetti auf Michaelis 1782 datiert, das Sommersemester wird vorwiegend dem Kennenlernen von Professor und Studenten gewidmet, Josias Löffler hält erste Vorlesungen zu ihm geläufigen Themen der Kirchengeschichte, der Beginn des Predigeramtes an St. Marien wird auf Januar 1783 gelegt.
Josias Löffler ist beeindruckt von Frankfurt. War die seelsorgerische Tätigkeit des jungen Pfarrers Löffler in Berlin auf einen kleinen Kreis und kleine Räume beschränkt – die Gefängnisinsassen und Beamten der königlichen Hausvoigtei, die Ärzte, Pfleger, Schwestern und Kranken der Charité – so muss er sich jetzt in der großen Halle der gotischen St-Marien-Kirche von Frankfurt bewähren, so hat er jetzt vor einer mehrere Hunderte Köpfe zählenden Zuhörerschaft zu predigen. Verbunden mit den kirchlichen Aufgaben an der Oberkirche ist für ihn auch neu die Pflicht der städtischen Schulaufsicht, beschrieben mit dem Begriff des „Generalsuperintendenten“. Hospitationen an den Schulen werden mindestens einmal jährlich durchgeführt, um den Wissensstand und die pädagogische Eignung der Lehrer zu überprüfen. Er hat Berichte an die Kirchenleitung und den Magistrat zu verfassen, disziplinarisch zu loben und zu strafen, Zwistigkeiten zu schlichten – also sehr viel Verwaltung und Personalia, diplomatisches Geschick ist gefragt, da kommen ihm die Erfahrungen aus der Militärzeit gelegen, die Fähigkeiten, die er sich im Feldzug 78/79 aneignen musste.
Josias Löffler „kommt gut an“ bei den Frankfurtern, in der Kirche und an der Universität. Der Chronist Christian Wilhelm Spieker kann noch Jahrzehnte später in seiner „Beschreibung und Geschichte der Marien- oder Oberkirche zu Frankfurt an der Oder“ den „ausgezeichneten Theologen“ Josias Löffler im Vergleich zu dessen Vorgängern ohne jeden Abstrich würdigen.

Besonders hebt er – gemessen an der streitsüchtigen und groben Manier des alten und kranken Simonetti – die jugendliche Frische, die lebendige Art des Predigens des neuen Diakons an St. Marien hervor. Ich erinnere mich an den Brief Amelangs an Josias Löffler aus dem Jahre 1777, der sehr anschaulich jenes das Publikum abweisende und abschreckende Moralisieren Simonettis beschrieb.
Der Chronist Spieker verweist aber auch auf die Gegner Löfflers an der Universität, sowohl in den Reihen der orthodoxen, aufklärungsfeindlichen  Lutheraner ebenso wie die Mehrheit der Reformierten. Was Spieker verschwieg oder nicht wusste, war der Zusammenhang der Berufung Löfflers an die Universität Frankfurt exakt vor diesem politischen Hintergrund – auf Empfehlung der der Aufklärung verpflichteten Zedlitz und Biester wurde Löffler einer der bedeutendsten „zivilen Offiziere“ des Königs im Feldzug der Aufklärung.

Doch genug für heute mit den relativ trockenen Angelegenheiten vor und hinter den Türen von St. Marien. Überlassen wir Löfflers Privatleben, den familiären Verflechtungen und den Intrigen der Aufklärungsgegner in Potsdam und Berlin den nächsten Folgen.

Dr. Dieter Weigert, 13. August 2023

(Eine weitere Folge der Erinnerungen des Saalfelder Stadarchivars zu Heinrich von Kleist und Josias Löffler erscheint demnächst an dieser Stelle)

Für Interessenten:

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Autor: Sternberlin

Dr. phil. habil.(Philosophie und politische Wissenschaften) , inzwischen Pensionär - aktiv in Denkmalschutz und Denkmalpflege, besonders Kirchen und historische Friedhöfe in Berlin an Wochenenden - unter der Woche in unregelmäßigen Abständen engagiert in Lehrerfortbildung (Geschichte, Architektur, Literatur und Theater,Bildende Kunst)

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